07.09.2026

„Wir dürfen uns von der Tabelle nicht verändern lassen“

„Wir dürfen uns von der Tabelle nicht verändern lassen“
Gibt beim Tabellenführer die Richtung vor: FCP-Cheftrainer Roman Langer / Foto: Tobias Vierlinger

Am Dienstagabend wartet auf den FC Pipinsried ein ebenso interessanter wie ungewöhnlicher Vergleich. Um 18 Uhr empfangen die Gelb-Blauen in Pipinsried die deutsche Polizeinationalmannschaft zu einem Testspiel. Die Polizeiauswahl bereitet sich auf die Europameisterschaft 2027 in Bulgarien vor. Deutschland reist als dreimaliger Europameister in Serie zu diesem Turnier.

Für den FCP ist die Begegnung zugleich eine gute Gelegenheit, nach dem ersten Viertel der Bayernliga-Saison ein Zwischenfazit zu ziehen. Nach neun Spieltagen führt die junge und stark veränderte Mannschaft von Trainer Roman Langer mit 22 Punkten und 28:10 Toren die Tabelle an. Im Interview spricht der 36-Jährige über den tollen Start, den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, die wichtige Rolle der „Impact-Player“ und das weiterhin vorhandene Entwicklungspotenzial.

Roman, etwas mehr als ein Viertel der Saison ist absolviert. Ihr steht mit 22 Punkten aus neun Spielen an der Tabellenspitze. Wie fällt dein erstes Zwischenfazit aus?

Grundsätzlich war das natürlich so nicht zu erwarten. Wir hatten im Sommer einen großen Umbruch und mussten uns erst einmal finden. Im Laufe der Vorbereitung und dann auch in den ersten Spielen haben wir uns aber immer mehr zu einer Einheit entwickelt. Wir haben versucht, wirklich jedes einzelne Spiel für sich anzugehen und uns Woche für Woche weiterzuentwickeln. Dass dabei nach neun Spielen 22 Punkte stehen, freut uns natürlich sehr. Trotzdem wissen wir auch, dass die Saison noch lang ist.

Zwölf Spieler sind gegangen, zwölf neue gekommen. Viele Neuzugänge sind noch sehr jung oder spielten zuvor in der Landesliga. Was hat dich in den ersten Wochen besonders positiv überrascht?

Eines hatten die neuen Jungs alle gemeinsam: Sie hatten richtig Bock auf Pipi. Mit Patrick Weihrauch haben wir natürlich auch jemanden mit sehr viel Erfahrung dazubekommen, der nach seiner Profilaufbahn wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist. Er sollte bei uns ein Führungsspieler sein – und genau diese Rolle wollte er auch selbst übernehmen. Auch im Trainerteam haben wir uns mit Victor Medeleanu neu aufgestellt, der mich und die Mannschaft extrem gut unterstützt. Uns war von Anfang an wichtig, schnell zusammenzufinden und innerhalb der Mannschaft eine gemeinsame Sprache zu sprechen – auf und neben dem Platz. An dieser Stelle möchte ich auch Jochi (Johannes Müller) und Sebi (Sebastian Böhm) aus der sportlichen Leitung Danke sagen. Nach unzähligen Gesprächen und einem sehr guten Austausch waren wir uns bei den einzelnen Jungs sehr sicher. Da war von Beginn an eine gegenseitige Wertschätzung vorhanden und wir hatten gemeinsam eine klare Idee davon, wie die neue Mannschaft aussehen soll.

Was zeichnet diese Mannschaft momentan besonders aus?

Ganz klar der Teamgeist und der gemeinsame Plan, den jeder am Spieltag umzusetzen versucht. Bei uns nimmt sich keiner heraus – egal, ob im Training oder im Spiel. Die Jungs ziehen mit, unterstützen sich gegenseitig und jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Das macht uns momentan aus und muss auch so bleiben.

Mit 28 Treffern stellt der FCP den besten Angriff der Bayernliga Süd. Weshalb findet die Mannschaft so viele unterschiedliche Lösungen vor dem gegnerischen Tor?

Wir haben im Kader unterschiedliche Qualitäten und ich glaube, dass alle Jungs das Vertrauen von uns spüren. Wir haben uns im Sommer ganz bewusst für diese Mannschaft entschieden, um jungen Talenten die Möglichkeit zu geben, sich in Pipi zu zeigen und gemeinsam mit uns zu wachsen. Viele Jungs haben sich durch ihre Spielpraxis Selbstvertrauen geholt und zahlen dieses Vertrauen momentan zurück. Gleichzeitig ist es uns gelungen, die zwölf neuen Spieler sehr schnell zu integrieren. Dabei war sicherlich auch unser Kurztrainingslager am Spitzingsee ein wichtiger Teil zu Beginn der Vorbereitung. Dort sind wir als Gruppe schnell enger zusammengerückt.

Auch die Spieler, die zunächst auf der Bank saßen, haben bereits mehrfach entscheidende Impulse geliefert. Wie wichtig ist diese Ausgeglichenheit?

Extrem wichtig. In einer Fußballmannschaft brauchst du Konkurrenz und auf jeder Position hungrige Spieler – auch wenn sie am Wochenende einmal nicht von Anfang an beginnen. Genau das zeichnet für mich eine gute Mannschaft aus. Ich spreche vor der Mannschaft auch nie von Auswechsel- oder Ersatzspielern. Seit dem ersten Tag sind es für mich unsere Impact-Player. Das sind Spieler, die von draußen kommen und eine Partie mitentscheiden müssen. Das ist uns bislang sehr gut gelungen. Wir hoffen natürlich, dass wir auch weiterhin in jedem Spiel diese Impulse von der Bank bekommen.

Wo besitzt die Mannschaft trotz des starken Saisonstarts noch das größte Entwicklungspotenzial?

Was mich sehr positiv stimmt, ist, dass wir auch nach Rückschlägen oder Ausgleichstreffern an uns glauben. Wir haben mehrfach gezeigt, dass wir immer in der Lage sind, ein Tor zu erzielen und enge Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Trotzdem haben wir in fast jeder Partie Phasen, in denen wir nicht richtig im Spiel sind. Da können wir noch abgeklärter und ruhiger werden. Das ist teilweise vielleicht auch unserem jungen Alter geschuldet. Meistens haben wir einen Altersdurchschnitt von ungefähr 22,5 Jahren auf dem Platz. Genau in diesen Situationen können und müssen wir uns noch weiterentwickeln.

Merkst du bereits, dass sich die Gegner aufgrund der Tabellenführung anders auf euch einstellen?

Nein, das merke ich momentan eigentlich nicht. Für mich ist viel wichtiger, dass wir unabhängig vom Gegner jede Woche eine gute und gleichbleibende Vorbereitung haben. Das haben wir uns als Trainerteam auf die Fahne geschrieben: Wir lassen die Jungs nicht in Ruhe. Die Zeit, die wir gemeinsam in Pipinsried verbringen, wollen wir maximal nutzen. Gleichzeitig dürfen Spaß und Ehrgeiz nie fehlen. Das ist für uns die Basis.

Wie hältst du die Konzentration hoch, ohne der Mannschaft ihre Spielfreude zu nehmen?

Wir haben noch einiges an Entwicklungspotenzial. Das besprechen wir sowohl einzeln mit den Jungs als auch gemeinsam vor der Mannschaft. Wir zeigen ihnen klar auf, in welchen Bereichen wir noch besser werden können. Das Gute ist: Jeder Einzelne möchte sich verbessern und sich in der Mannschaft zeigen. Das ist eine sehr gute Grundeinstellung. Wir als Trainerteam versuchen, die Jungs dabei bestmöglich zu unterstützen, aber natürlich auch immer wieder zu pushen und zu fordern. Die Spielfreude soll dabei auf keinen Fall verloren gehen.

Welche Bedeutung hat das Testspiel gegen die deutsche Polizeinationalmannschaft?

Wir möchten durchwechseln und allen Jungs die Möglichkeit geben, wieder Spielminuten zu sammeln. Gerade diejenigen, die zuletzt etwas weniger Einsatzzeit hatten, sollen über einen längeren Zeitraum auf dem Platz stehen. Gleichzeitig können wir dem einen oder anderen Spieler eine Pause geben. Natürlich bietet ein solches Spiel auch die Möglichkeit, einige Dinge auszuprobieren.

Was wird in den kommenden Wochen besonders wichtig sein?

Dass wir als Mannschaft zusammenbleiben und gemeinsam den Weg weitergehen, den wir im Sommer eingeschlagen haben. Wir dürfen uns von der aktuellen Tabelle nicht verändern lassen. Entscheidend ist, dass wir weiterarbeiten, hungrig bleiben und uns auf das konzentrieren, was uns bis hierhin stark gemacht hat.

Wie sieht es momentan bei den verletzten Spielern aus?

Mit Dominik Neisser, unserem eigenen Gewächs aus Pipinsried, kommt hoffentlich in den nächsten ein bis zwei Wochen ein Spieler in den Kader zurück. Ich freue mich wirklich für Domi, weil er extrem viel an sich arbeitet. Er hat in der Rückrunde der vergangenen Saison richtig gut gespielt und sich seinen Platz in der Mannschaft erkämpft. Deshalb hoffen wir, dass er bald wieder vollständig dabei sein kann. Auch bei meinem Co-Trainer Mario Götzendörfer geht es nach seinem Außenbandriss bergauf. Ich hoffe, dass auch er in den nächsten Wochen die nächsten Schritte in Richtung Kader machen kann. Momentan ist er für uns aber auch neben dem Platz als Co-Trainer extrem wertvoll. Valdrin Konjuhi und Jonas Lindner sind beide am Meniskus operiert worden und arbeiten fleißig in der Reha an ihrem Comeback. Bei beiden ist momentan leider noch nicht absehbar, wann sie wieder auf dem Platz stehen können. Wichtig ist, dass sie sich die nötige Zeit nehmen und Schritt für Schritt zurückkommen.

Was wünschst du dir für die nächsten Wochen von der Mannschaft, den Zuschauern und dem gesamten Umfeld?

Ich glaube, man merkt seit Saisonbeginn, dass sich bei uns einiges getan hat – im Verein und im Vorstand, in der Mannschaft sowie im Trainer- und Betreuerteam. Alle waren von Anfang an offen, haben mitgezogen und wir haben versucht, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Deshalb an dieser Stelle auch ein riesiges Dankeschön an den Verein und die Verantwortlichen, die immer versuchen, alles für uns und die Mannschaft möglich zu machen. Für die nächsten Wochen wünsche ich mir, dass wir diesen Weg gemeinsam weitergehen, dass die Jungs weiter so viel Bock haben, für Pipi auf dem Platz zu stehen, und dass die Zuschauer und das gesamte Umfeld diesen Weg mit uns gehen und uns unterstützen.